In der Überzeugung, die drohende Gefahr anders nicht besser und schneller
abwenden zu können, mühten sich die genannten Bischöfe, Herzöge
und anderen Herren sorgfältig und mit bemerkenswerter Beharrlichkeit,
das Reich in seiner Not nicht länger ohne Herrscher zu lassen
– so kommentiert
Wipo die königslose Zeit nach dem Tod Heinrichs II. (1024).
Noch dramatischer klingt es bei einem Mönch aus Ramsey, der zum Tod
des englischen Königs Edgar (975) berichtet: Der berühmte König starb
am 8. Juli, durch seinen Tod geriet der Zustand des gesamten Königreichs
in Unordnung, die Bischöfe waren beunruhigt, die Adligen aufgewühlt,
die Mönche in Furcht versetzt, die Menschen erschrocken […].
Herrscherwechsel
konnten also eine Phase der Ungewissheit, der Not und des
Kampfes einleiten. In solchen Zeiten waren diejenigen von besonderer
Wichtigkeit, die für Kontinuität sorgen konnten – neben dem weltlichen
Adel waren das vor allem die Bischöfe. Inwiefern sie diese Kontinuität
tatsächlich gewährleisteten und ob sie auch in den ersten Herrschaftsjahren
des neuen Königs ihren Einfluss geltend machten, soll an den Herrscherwechseln
der späten Ottonen- und frühen Salierzeit untersucht werden.
Dem wird die Situation im angelsächsichen Königreich vergleichend gegenübergestellt,
um Kontraste und Gemeinsamkeiten aufzuzeigen und der
Frage nachzugehen, ob es ein Muster
gab, das über die Grenzen einzelner
Königreiche hinaus Gültigkeit besaß. Der Blickwinkel des Episkopats
ermöglicht dabei einen Perspektivwechsel bei der Analyse der kirchlichen
Strukturen Englands und des ostfränkisch-deutschen Reiches, die bisher
meist aus der Sicht des Königtums erforscht wurden.