Ich bin Mediävist, also Historiker zur Mittelalterlichen Geschichte, und arbeite als Akademischer Rat an der Universität zu Köln. Meine Schwerpunkte liegen geographisch in Nordeuropa (England und Skandinavien) und zeitlich zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert. Ich bin besonders daran interessiert, wie Geschichte dargestellt wurde, also welche Sichtweise die Menschen auf ihre eigene Zeit und ihre unmittelbare Vergangenheit hatten.

Habilitationsprojekt

In meinem aktuellen Projekt untersuche ich, wie Bischöfe in der Zeit von etwa 950 bis etwa 1050 von ihren Zeitgenossen wahrgenommen und dargestellt wurden, insbesondere im Hinblick auf ihre Rolle bei umstrittenen Herrscherwechseln. Damit will ich den klassischen Blick auf die Bischöfe überwinden und sie nicht aus der Sicht der Könige untersuchen, als ihre Helfer und Mittelsmänner, wie das besonders für das ottonisch-salische Reich gemacht wurde, sondern ihre eigenen Aktionen ins Zentrum stellen, beziehungsweise das, was sich davon in den Quellen niedergeschlagen hat. Deshalb stehen erzählende Quellen im Zentrum meines Projekts, vor allem Historiographie (Geschichtsschreibung) und Hagiographie (Lebensbeschreibungen von Heiligen), aber auch Predigten und Rechtstexte. Ziel der Arbeit ist es, Wahrnehmungen und Konzeptionen des Bischofs und damit letztlich seine Rolle in der Gesellschaft des 10. und 11. Jahrhunderts zu bestimmen, und das nicht nur für das ostfränkische Reich, sondern auch im Vergleich mit dem angelsächsischen England.

1066

Anlässlich des 950. Jahrestags der Normannischen Eroberung habe ich für den C.H. Beck-Verlag ein Buch in der Reihe »C.H. Beck Wissen« geschrieben, in dem ich die Vorgeschichte, den Verlauf und die Folgen von Englands Eroberung durch die Normannen in aller Kürze schildere. Es ist also viel mehr als ein Buch zum Jahr 1066, es behandelt weite Teile der englischen Geschichte des 11. Jahrhunderts.

Dissertation

In meinem Studium habe ich mich vor allem mit dem Hochmittelalter auseinandergesetzt, und da ich nebenbei Norwegisch gelernt habe, hat es mich zur skandinavischen Geschichte gezogen. In meiner Dissertation habe ich Skandinavier gesucht, die mindestens einmal in ihrem Leben eine Fernreise gemacht haben, und habe ein Verzeichnis dieser Personen mit kurzen Beschreibungen angefertigt (also eine Prosopographie). Auf der Basis dieses Verzeichnisses, das alle Reisenden zwischen 1000 und 1250 enthält, die ich in den Quellen finden konnte, habe ich dann verschiedene Untersuchungen angestellt: Welche Ziele haben Skandinavier angesteuert? Aus welchen Gründen sind Sie gereist? Welche Wege haben sie genommen? Wie hat sich die Mobilität entwickelt? Was haben die Reisenden in ihre Heimat mit zurückgebracht an Gegenständen und Ideen? Diese letzte Frage, also die nach dem »Kulturtransfer«, habe ich dann anhand eines konkreten Fallbeispiels – Øystein Erlendsson, der im 12. Jahrhundert Erzbischof von Trondheim war – näher untersucht. Zur steigenden Mobilität, die vor allem ab dem 12. Jahrhundert zu verzeichnen ist, trugen nicht zuletzt die kirchlichen Strukturen bei, die den Rahmen bildeten für persönliche Netzwerke, die einen schnellen Austausch zwischen Nord- und Südeuropa ermöglichten. Das fertige Buch ist unter dem Titel »Skandinavier unterwegs in Europa (1000–1250). Untersuchungen zu Mobilität und Kulturtransfer auf prosopographischer Grundlage« im Akademie-Verlag erschienen.